Ein Fotoshooting mit Judith Weihrauch

"Meine Oma ist stolze 96 Jahre alt und war von Beruf und aus Leidenschaft, Schneidermeisterin. Ihre zweite Berufung war das Kochen. Deshalb hatte sie eine schöne weibliche Figur. Leider jedoch zu wenig Zeit um alle ihre Kleider selbst anzufertigen. Also war sie Stammkundin bei Atelier Goldener Schnitt. Der Tag an dem die neuen Kataloge mit den Stoffmustern kamen, wurden umgehend zum Feiertag erklärt. Ein Kuchen wurde gebacken und der weibliche Familienrat - meine Mutter und ich einberufen. Die Kataloge wurden von vorne bis hinten durchgeblättert. Schnitte, Farben, Material diskutiert und anschließend fleißig bestellt. Noch heute besitzt meine Oma 30 Jahre alte Kleidungstücke von Atelier Goldner Schnitt. Als ich ihr im Sommer die ersten Fotos von unserem Shooting zeigte, hatte meine Oma Tränen inden Augen und sie war voller Stolz!" (Judith Weihrauch)

Ein Blick hinter die Kulissen

Über Judith Weihrauch

Judith Weihrauch absolvierte das Studienkolleg für Mode/Design und historische Bühnenkostüme in Wien. In den Bereichen Kostümbild, Kostümherstellung, Styling und Maske war sie an den renommierten Opernhäusern in Wien, Salzburg, Graz, München, Frankfurt, Hamburg, London und Tokio tätig. Zuletzt erarbeitete sie die Kostüme für Wozzeck an der Oper Frankfurt und für Peter Grimes (Internationalen Opera Award »Beste Neuproduktion« 2016) am Theater an der Wien sowie für Jenufa an der Deutschen Oper Berlin (Grammy-Nominierung 2016).

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Im Interview: Die Welt einer Kostümbildnerin an der Oper

Liebe Judith, wie bereitest du dich auf eine Oper vor und wie kann man sich deinen Arbeitsalltag vorstellen?

Judith Weihrauch: Zuerst beschäftige ich mich mit der Musik um die Stimmung der Oper in mir aufzunehmen. Ich kaufe Aufnahmen von verschiedenen Opernhäusern und wähle meinen Liebling aus. Diese Opernaufnahme höre ich immer wieder während der ganzen Vorbereitungszeit, die meist über ein ganzes Jahr geht an. Nachdem ich mich mit der Komposition und dem Libretto (Text einer Oper) auseinandergesetzt habe, findet das erste Treffen mit dem Regisseur, Bühnenbildner, Choreographen, Lichtdesigner und Dramaturgen statt. Die gesammelten Ideen, das Hintergrundwissen, die entstandenen Gefühle werden im Team diskutiert und formen sich zu einer gemeinsamen Idee. Oft braucht es noch ein weiteres Treffen um die gesammelten Ideen zu konkretisieren. Ab dann geht jeder des Leading Teams seinen eigenen Weg. Der Bühnenbildner entwirft den Raum und bereitet ein Bühnenbildmodell vor. Ich entwickle das Konzept für die Kostüme und zeichne die Figurinen für jeden Solisten, den Chor, Kinderchor, die Statisten und das Ballett. Beim nächsten Treffen werden die Details besprochen und anschließend wird das Konzept für die Neuinszenierung der Oper den leitenden Mitarbeitern des Opernhaus präsentiert und bei der Bauprobe auf der Bühne überprüft. Nun beginnt für mich die Arbeit an den Originalkostümen. Es werden zuerst die Materialien passend zum jeweiligen Entwurf ausgewählt. Das Ausmustern ist sehr zeitaufwendig. Es müssen bei vielen Stofflieferanten Muster angefordert werden, bis zu hundert Stoffkataloge werden durchgeblättert, das Materiallager im Opernhaus durchgekämmt und in Stoffläden gesucht. Sind die Materialien bestellt und geliefert, werden diese in den einzelnen Kostümwerkstätten verteilt. Es gibt die Damen- und Herrenschneiderei, Hutmacher, Schuhmacher, Färberei, Malerei (Verzierung, Schmuckherstellung), Rüstmeister (Waffen) und die Maske für das Make up und die Perücken. In diesen Werkstätten werden dann nach meinen Entwürfen die Kostüme angefertigt. Die Sängerkönnen nun zur Anprobe bestellt werden. Das angefertigte Kostüm wird abgesteckt, angepasst undfür eine zweite Anprobe vorbereitet. Make up, Frisur, Accessoires und Schuhe werden ebenfallsbei einer Anprobe besprochen. So geht das ein paar hundert Mal für eine neue Opernproduktion.Pro Tag müssen 10-15 Anproben gemacht werden. In dieser Zeit finden parallel die Proben für die neue Operninszenierung auf der Probebühne statt und abends wird dann fleißig weiter am Konzept gearbeitet . Nach 6 Wochen Probezeit und mindestens 3 Monaten Arbeitszeit in denWerkstätten kommt das Gesamtkunstwerk nun endlich auf die Hauptbühne zur ersten Klavierhauptprobe. Hunderte Kostüme sind zum ersten Mal im Originalablauf auf der Bühne, nur einige Tage vor der Premiere. Dies ist einer der aufregendste Tage im Arbeitsleben eines Kostümbildners. Vieles muß in kürzester Zeit noch geändert und angepaßt werden, damit alle Kostüme perfekt fürdie Premiere sind. Davor darf ich es nur noch zwei mal sehen, bei der Orchesterhauptprobe undder Generalprobe. Jetzt muss ich mich noch schnell um mein eigenes Outfit kümmern. Doch meist kommt das Leading Team in schlichter dunkler Kleidung zum Premieren Applaus aufdie Bühne. Deshalb werden sie im Theater "die Schwarzen" genannt.

Das hört sich nach einer sehr intensiven und aufregenden Zeit an. Was ist für dich das spannendste an deinem Beruf?

Judith Weihrauch: Das Spannendste für mich ist es immer wieder in eine andere Stadt zu reisen, an einem anderen Opernhaus zu arbeiten und viele, viele neue Menschen kennen zu lernen. Mein nächstes Projekt findet in Oslo statt. Das Opernhaus ganz aus Glas und Mamor steht direkt am Fjord und ich freue mich schon sehr darauf.

Was sind die größten Herausforderungen bei deiner Arbeit?

Judith Weihrauch: Meine Kostüme an der Klavierhauptprobe das erste Mal auf der Bühne zu sehen. Hier sehe ich das erste Mal, wie sich die in meinem Kopf und auf dem Papier entstandenen Figuren zu einem Gesamtkunstwerk zusammenfügen.

Wenn dein Gesamtkunstwerk vollendet ist, gibt es einen Moment, der dir besonders viel Freude bereitet?

Judith Weihrauch: Wenn mein Mann und mein kleiner Sohn Julius bei der Premiere mit dabei sein können und uns mit vielen anderen opernbegeisterten Zuschauern tosenden Applaus geben. Das ist für mich der schönste Moment meiner Arbeit!

Hast du eine Lieblingsoper?

Judith Weihrauch: Die Barockoper "Giulio Cesare" von G.F. Händel ist meine Lieblingsoper.

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